Der Schild im Living History

Wer eine kämpfende Darstellung anstrebt, für den stellt sich unweigerlich die Frage nach dem richtigen Schild. Sowohl Größe, als auch Material, Gewicht und Bauart hängen dabei von den individuellen Vorlieben ab. Jedoch sollte der Schild natürlich auch zur gewählten Darstellung passen.

Daher folgt nun ein kleiner Überblick über die Entwicklung der Schildformen im Zeitfenster zwischen 750 und 1350.

Im frühen Mittelalter war der Schild häufig der einzige Körperschutz eines Kämpfers. Nur die Wohlhabenden konnten sich Helm und Torsopanzerung leisten. Der einfache Kämpfer musste mit seinem Schild vorlieb nehmen. Dieser war in der Regel rund. Getragen wurde er an einem zentral angebrachten Griff aus Holz oder Eisen. In der Mitte hatte der Schild ein Loch, welches von einem eisernen, seltener auch hölzernen, Schildbuckel bedeckt war, der die Hand schützte.

Der Schild hatte in der Regel einen recht großen Durchmesser um den eigenen Körper möglichst effektiv zu verdecken.

Die am Osebergschiff in Norwegen gefundenen Schilde hatten einen Durchmesser von ca. 80 – 110 cm. Es ist davon auszugehen, dass dies auch im restlichen Europa so üblich war.

Auch Überreste eines länglichen ovalen Schildes wurden in Norwegen gefunden. Ebenso zeigen verschiedene Abbildungen Männer mit ovalen Schilden. Diese haben keine Schildbuckel, was darauf hindeutet, dass sie mittels einer Riemenkonstruktion am Unterarm getragen wurden.



Aus dem einfachen Rundschild entwickelte sich im beginnenden Hochmittelalter eine neue Schildform: der Mandelschild, auch Tropfenschild oder im englischen Sprachraum Kite-Shield genannt. Diese Schildform ist durch den Teppich von Bayeux gut dokumentiert, der die normannische Eroberung Englands im Jahr 1066 zeigt. Diese Schilde waren in ganz Europa im 11. und 12. Jahrhundert verbreitet. Eine ähnliche, wenn auch etwas gestauchtere Schildform war seit dem 10. Jahrhundert im byzantinischen Kulturraum verbreitet.

Auch der Mandelschild verdeckte den Großteil seines Trägers. Im Prinzip besteht er aus einer runden Form, die aber zum unteren Ende hin spitz zuläuft und so eine Tropfenform bildet und somit den Träger von der Schulter bis hin zum Knie schützt. Dies war sowohl für den Fußkämpfer sinnvoll, aber auch für den Reiter. Dieser trug ihn an einem Schulterriemen hängend und schützte somit seine linke Seite, die er dem Gegner zudrehte.

Im Gegensatz zu den Rundschilden waren Mandelschilde wohl stets gewölbt, was dem Schild zum einen eine größere Stabilität verlieh, zum anderen erleichterte es dem Träger sich in den Schild „hineinzulehnen“ und hinter ihm in Deckung zu gehen. Getragen wurde dieser Schildtyp an einer Riemenkonstruktion: im Schildinneren wurde ein Quadrat gespannt und zwischen seinen Eckpunkten noch zusätzlich ein Kreuz. So konnte der Träger ihn nach persönlicher Vorliebe auf verschiedene Art greifen und am Unterarm tragen.


Der Mandelschild wurde an der Schwelle vom 12. zum 13. Jahrhundert zum Dreiecksschild weiterentwickelt. Dabei gab es zwei Varianten des Dreiecksschilds: den Infanterie-, und den Reiterschild.

Beim Infanterieschild wurde die obere Rundung des Mandelschilds abgeflacht. Dadurch waren die Schultern besser geschützt, die bei einem runderen Abschluss leicht aus der Deckung hervorschauen konnten. Auch wurden die Schilde im unteren Bereich breiter, so dass es fast unmöglich wurde die Beine des Kämpfers zu attackieren.
Dies schränkte zwar die Mobilität des Kämpfers ein, sorgte aber dafür, dass eine dichte Formation von Kämpfern einer mobilen Wand glich.

Die Variante für Reiter beschritt den entgegengesetzten Weg. Die ritterlichen Kavalleristen trugen eine vergleichsweise starke Panzerung am ganzen Körper. Diese bestand aus Gambeson, gepolsterten Diechlingen, sowie Kettenhemd und -beinlinge. Daher waren sie nicht im gleichen Maße auf den Schutz des Schildes angewiesen, wie die vergleichsweise Schwach gepanzerten Infanteristen. Daher war der Reiterschild kleiner und verdeckte nur den Oberkörper des Kämpfers. Hier entwickelte sich schnell die fast exakt dreieckige Schildform, die man aus der Heraldik kennt.

Für beide Varianten des Dreiecksschildes gilt, dass auch sie gewölbt waren und mittels Riemen am Unterarm getragen wurden. Allerdings wurde auch hier die Bindung weiterentwickelt. Sie Bestand aus zwei bis drei Schlaufen, in denen der Unterarm steckte und zwei gekreuzten Riemen, die mit der Hand gegriffen wurden.



Parallel zu diesen militärischen Schilden gab es auch eine zivile Schildvariante, die vom 13. Jahrhundert bis in die frühe Neuzeit in den oberen Gesellschaften gängig war: den Faustschild, englisch Buckler genannt. Im Faustschild blieb die Idee des Rundschildes lebendig. Die Konstruktionsart mit Griff und Schildbuckel war identisch. Nur der Durchmesser reduzierte sich auf 30 bis 45 cm. Diese Schilde wurden im Alltag, z.B. auf Reisen in Kombination mit einem Schwert zur Selbstverteidigung genutzt. Ihre Anwendung zeigt zum Beispiel das berühmte Fechtbuch I.33.


Die historischen Schilde wurden in der Regel aus dünnen Holzplanken zusammengeklebt. Die Gesamtstärke überschritt dabei selten 10mm, musste der Schild für eine effektive Handhabung doch möglichst leicht sein. Zudem begleitete ein Schild einen Kämpfer kein Leben lang. Er musste ihn in einem Kampf, maximal auf einem Feldzug schützen.

Schon die frühen Rundschilde wurden doppellagig gebaut, wobei die zwei Schichten im 90° Winkel zu einander verklebt wurden. Dann wurde der ganze Schild mit Rohhaut bespannt und der Rand zusätzlich mit einem Rohautstreifen vernäht.

Die Wölbung von Mandel-, und Dreicksschilden wurde auch in der Klebephase bewerkstelligt. Während die dünnen Holzschichten vom Kleber feucht waren, konnten sie auf Spannung gebogen werden. Im Laufe des Hochmittelalters wurde es üblich anstatt der Rohhautbespannung festen, stabilen Leinenstoff zu verwenden, der auf den Rohling geklebt wurde und anschließend mit Rohhaut umrandet wurde.


Die historische Variante des Schildbaus ist zwar funktional, aber auch sehr zeit-, und geldaufwendig. Da nicht jeder Lust und Zeit hat für seinen Schild Planken zu sägen und Proteinkleber herzustellen und dann das liebevoll hergestellte Objekt beim Kämpfen wieder zerprügeln zu lassen, gibt es einfache Varianten um einen modernen, sporttauglichen Schild in historischer Optik herzustellen.




Weiterführend siehe auch: Bau eines Rundschildes


Author: Rabanus