Nachbau eines historischen Spatens

Der in diesem Fall nachgebaute Spaten ist Abbildungen des Teppichs von Bayeux (2. Hälfte des 11. Jhd.) und des Oldenburger Sachsenspiegels (Ausgabe von 1336) entlehnt.
Auf den Abbildungen ist gut erkennbar, dass die Spaten aus einem Stück Holz gefertigt und mit einem Beschlag versehen wurden. Dies ist unter Berücksichtigung des Materialwerts von Eisen für ein Arbeitswerkzeug nachvollziehbar. Neben der Nutzung als Grabinstrument ist über die vorliegenden Abbildungen auch der Gebrauch als Waffe nachweisbar.



Für den Bau des Spatens wurde Kiefernholz mit einer Stärke von ca. 3cm genutzt. Besser und im historischen Kontext wahrscheinlicher ist Eichenholz (oder andere, regional verfügbare Harthölzer, wie Buche oder Esche).

Auf der Holzbohle wird zunächst das Verhältnis zwischen Schaufel und Stiel angezeichnet, um dann die genauere Form festzulegen.
Es ist auf den oben zusehenden Bildern gut erkennbar, dass der Stiel 3-4x länger, als die Schaufel ist. Darüber hinaus ist die Form der Schaufel selbst sichtbar. Diese ist spitz zulaufend, unten dreieckig und an einer Seite ausladend (Trittfläche).



Nach dem Anzeichen folgt der Zuschnitt und das Abrunden des Stiels und des Griffs. Beide werden im Folgeschritt mit Schleifpapier bearbeitet um die Splittergefahr zu minimieren. Durch das Abrunden der Griffkanten liegt der Spaten besser in der Hand und ist somit besser nutzbar.

Die Kanten der Schaufel werden nicht gerundet, sondern abgeflacht. Besonders die dreieckig zulaufende Spitze, die im letzten Schritt mit Metallbeschlägen versehen wird, sollte hierbei möglichst „scharf“ zulaufen.
Zusätzlich wird die Schaufelfläche mit einem Beitel leicht ausgehöhlt. Hierdurch kann der Spaten leichter durch das Erdreich dringen, wenn die etwas breitere, dafür aber (aufgrund des Metallbeschlags) härtere Spitze eingestochen wurde.



Anschließend werden die Oberflächen, wie oben bereits erwähnt, geglättet. Hierzu diente beim Bau des Spatens modernes Schleifpapier. Im historischen Kontext wurde wohl eher Sand, Steinmehl oder Ackerschachtelhalm (Zinnkraut, Scheuerkraut) genutzt.
Hierauf hin wird der gesamte Spaten mit Leinöl bestrichen. Dies schützt das Holz vor Feuchtigkeit und härtet die Außenfläche zusätzlich aus. Dieser Schritt sollte (je nach Holzart und Ablagerungsgrad) mehrmals wiederholt werden.

Sobald das Leinöl vollständig eingezogen ist, wird die Spitze mit den erwähnten Beschlägen versehen.
Für den gefertigten Spaten wurde Rechteckprofil genutzt. Dieses wird der Schaufelspitze folgend zurecht gebogen und beidseitig angeklebt.
Für die auf dem Teppich von Bayeux und im Oldenburger Sachsenspiegel abgebildete Schaufel wurden dünne Eisenbleche gefertigt, die bereits beim Schmieden auf die gewünschte Größe gebracht wurden. Auch die Spitze konnte bereits direkt bei der Fertigung berücksichtigt werden und somit in einem Stück an die Schaufel gebracht werden. Hierbei bietet sich das Anbringen des heißen Metalls an, da durch das Verkohlen der Kontaktfläche eine zusätzliche Haftung (Reibung) zwischen den Materialien hervorgeruft.




Nachdem der Kleber ausgehärtet ist, wird der Beschlag angebohrt und an der Spatenspitze vernietet. Abschließend kann die Metallspitze angeschliffen werden.