Beizen von Naturfasern

Das Vorbeizen von Woll- und Seidenstoffen ist ein, für die gängigen Färbungen, notwendiger Schritt um eine optimale Farbaufnahme zu gewährleisten. Durch das Beizen wird die Struktur der Woll- oder Seidenfaser angegriffen und entfettet. Hierdurch kann die Farbe leichter in die Faser eindringen bzw. sich anheften, was zu einem leuchtenderem Ton und eine langanhaltende Farbe führt.


Die bekannteste (und auch günstigste) Beize ist Alaun. Die Beizenkonzentration liegt bei 10 bis 20% zum Färbegut, d.h. auf 100g Wolle (Seide) kommt 10 bis 20g Alaun.
Je höher die Konzentration, desto stärker wird die Faser angegriffen. Gleichzeitig nimmt die Faser die Farbe besser und schneller auf. Sollte man sich für eine geringe Konzentration (min. über 10%) entscheiden, lässt sich dies über eine längere Einwirkzeit ausgleichen.
Das Alaun-Salz wird in heißem Wasser gelöst. Die Beizlösung sollte, vor Zugabe des Färbeguts (Stoff, Garn, Rohmaterial), wieder herunter gekühlt werden. Ideal ist eine Temperatur um die 40 bis 60°C.
Zu Beginn des Beizvorganges wird das Färbegut in der Beizlösung bewegt, so dass eine möglichst vollständige Verteilung der Beizlösung im Färbegut möglich ist. Daher ist auch eine Temperatur unter 80°C sinnvoll. Bei höheren Temperaturen kann es bei Schurwolle schnell zu Verfilzungen kommen, die nicht immer gewollt sind und bei luftigen (feinen) Stoffen sogar ärgerlich.
Je länger das Färbegut in der Lösung verweilt, desto weniger Wärme wird benötigt und auch das Rühren kann aufhören.
Es empfiehlt sich für eine grundlegende Beize das Färbegut mindestens eine Stunde in der Lösung zu behalten. Sollte der Färbevorgang erst später erfolgen, kann das Färbegut auch in der Lösung aufbewahrt, feucht in ein anderes Gefäß umgepackt oder getrocknet werden.
Generell gilt, dass das Färbegut vor dem Färben NICHT ausgespült werden, sondern die Beizlösung in der Faser verbleibt sollte.

Sofern die Färbung direkt im Anschluss an die Vorbeize erfolgt, kann die bereits warme Beizlösung auch für die Färbung genutzt werden. Hierbei ist zu beachten, dass sich Alaun auch auf die Färbung auswirkt. So hat es auf Krapp-Färbungen eine den Ton verstärkende, auf alle Gelbfärbungen eine den Ton verfälschende Wirkung.


Neben Alaun als Beize gibt es auch Weinstein, Aluminiumsulfat, Essigsalze und Weinstein. Darüber hinaus sind auch Mischungen aus verschiedenen Beizen bzw. Zugabe von Weinstein oder Essig bei bestimmten Färbungen sinnvoll. Beispielsweise entwickelt Weinstein eine Cochenille-Färbung zu einem satteren rosé/ violett.
Essigsäure im Zusammenhang mit Alaun stellt eine gute Kaltbeize dar. Diese ist faserschonend. Hierbei wird die zu färbende Faser in kaltem bis handwarmem Wasser eingelegt. Diese Beize kann auch zur Vorbereitung von Pflanzenfasern genutzt werden.




Autor: Hraven