Das Färben mit Pflanzen

Zum Färben finden sich viele Internet-Seite und Bücher. Der folgende Beitrag, soll daher nur einen kurzen Überblick geben.


Das Färben mit Pflanzen

An sich können Färbungen in drei Gruppen geteilt werden.

I) leicht (Zwiebel, Birke – gelb) – hierbei wird nur der Farbsud hergestellt
II) mittel (Birke – grün, Krapp) – der Farbsud wird entwickelt oder bestimmte Rahmenbedingungen sind zu beachten
III) schwer (Indigo) – der Farbsud wird separat hergestellt, der Färbevorgang ist an bestimmte Bedingungen gebunden

Wie der Aufzählung zu entnehmen erhöht sich bei den einzelnen Schwierigkeitsgraden die Komplexität des Färbevorgangs bzw es müssen Eigenschaften des Färbemittels beachtet werden. Die heißt jedoch nicht, dass eine Indigo-Färbung (III – schwer) nicht für Erstfärber geeignet ist, es muss nur mehr beachtet werden, damit die Färbung gelingt und den gewünschten Effekt hat.


Für die ersten beiden Formen der Färbung gelten folgende Grundschritte:

1. Beizen des Stoffe
2. Färbelösung herstellen
3. Entwicklung des Stoffes

Vorgebeizt werden müssen Stoffe aus tierischer Faser (Seide, Wolle, Tierhaare), Stoffe aus pflanzlicher Faser (Hanf, Flachs, Baumwolle) benötigen keine Beize und können direkt gefärbt werden.

Dies liegt an der Struktur der Faser. Durch das Beizen werden Haarschuppen aufgeraut und der Farbstoff kann tiefer in die Faser eindringen. Er ist somit beständiger. Bei pflanzlichen Fasern ist dieser Vorgang nicht notwendig, da die Struktur eine andere ist. Hier bietet sich die nachträgliche Fixierung des Farbstoffes mit Essig an. Auch bei der Essigmethode werden die Fasern angegriffen und der bereits aufgetragene Farbstoff kann tiefer in diese eindringen.

Bereits an der Vorbeize erkennt man, dass Färbevorgang nicht gleich Färbevorgang ist. Man sollte sich vor dem Färben also stets bewusst sein, welches Material (Schurwolle, Leinen, Seide, Hanf) mit welchem Farbstoff gefärbt wird. Darüber hinaus gibt es Farbstoffe, die ein Vorbeizen unnötig machen (hierzu gehören z.B. Indigo und Walnuss) oder unter dem Einfluss bestimmter Beizen einen satteren, kräfigeren Ton entwickeln (z.B. Cochenille).



Gerade der Farbstoff nimmt starken Anteil am Gelingen einer Färbung. So kann nicht mit jeder Pflanze gefärbt werden. Zwar halten die Farben häufig der ersten Spülung stand, jedoch nicht dem Licht. Auch wirkt nicht jeder Farbstoff gleich gut ein bzw. nimmt nicht jedes Material gleich gut an. Der Erfahrung des Autors nach lässt sich Leinen zwar mit Zwiebelschalen färben (hierbei entsteht ein leicht bräunlicher gelb/orange Ton – je nach Menge des Färbeguts), die Haltbarkeit liegt jedoch bei nur 1 Jahr (ca.). Bei Wollfärbungen mit Zwiebel hält der Ton wesentlich länger (bisher ca. 3-4 Jahre, wobei ein leichtes nachlassen der Intensität vorhanden ist).


Allgemein ist die Lichtbeständigkeit das größte Problem wenn es um Pflanzenfärbung geht. So ist nicht jeder pflanzlicher Farbstoff lichtecht und verblasst mit der Zeit bei zu häufigem Kontakt mit UV-Strahlen. Bei den gängigen Färbemitteln sind Birke und Zwiebel die anfälligsten Farben, wenn es um Licht geht. So tendiert Zwiebel-gelb dazu leicht grünlich (oder bei orange-Färbungen bräunlich) zu werden und der neongelbe Ton der Birke verblasst schnell ins fahlgelbe.


Die Färbelösung entsteht durch Kochen oder Einweichen des jeweiligen Färbemittels. Hierbei gibt es zwei Grundformen. Nämlich Färbemittel, die stark erhitzt werden können und welche die dies nicht vertragen. Gleichzeitig lässt sich festhalten, dass kein Färbesud wirklich gekocht werden muss. Dies spart sicherlich Zeit, wirkt sich aber auch bei Hitze vertragenden Farbtönen nicht immer gut auf das Färbegut (Stoff) aus. Wenn ein Färbemittel stark erhitzt wird, sollte daher vor der Zugabe des Färbeguts darauf geachtet werden, dass die Lösung (Färbesud) möglichst abgekühlt ist. Hierfür bietet sich eine Temperatur über handwarm an. Färbemittel, die keine Hitze erlauben, wie Krapp, sollten generell bei eher den empfohlenen Temperaturen (60°C) oder darunter genutzt werden. Dazu kommen Färbemittel, die lange ziehen müssen, damit Sie ihren Farbstoff an das Wasser abgeben können. Hierzu gehört beispielsweise die Wallnuss, welche sich daher gut für Kaltfärbungen eignet.



Ist die Färbelösung da, kann diese bei bestimmten Färbemitteln auch für verschiedene Farben genutzt werden. So kann man mit Eisen- oder Kupfersulfat das Gelb der Birke in ein helles bis natofarbenes Grün entwickeln. Auch bei anderen Farbtönen sind solche Reaktionen bekannt. Auch lässt sich über einen Entwickler oder die Wahl einer anderen Beize den Farbton nuancieren bzw. verstärken. Hier ist beispielsweise Weinstein ein beliebtes Mittel, um rötliche und bläuliche Töne zu intensivieren.

Des Weiteren bieten Doppelfärbungen eine gute Möglichkeit um bestimmte Farbnuancen hervor zubringen. Dies gelingt bereits bei Färbungen von grün (Birkenblätter, Reseda) auf Zwiebeschale (gelb), wobei durch das darunterliegende gelb ein anderer Ton entsteht. Besonders spätere Farbzüge (2. - 4.) bieten sich für soche Überfärbungen an.


Die Färbung mit Indigo stellt eine eigene Färbeform dar und muss etwas getrennt betrachtet werden. Hierbei wird zunächst eine Stammküppe angesetzt, welche den wasserunlöslichen Farbstoff für die wassergebundene Färbung nutzbar macht. Diese Vorreaktion wird über die Zugabe von Natronlauge und Hydrosulfit katalysiert. Anschließend wird die Stammküppe dem eigentlichen Färbewasser (Küppe), dass ebenfalls mit Natronlauge und Hydrosulfit zugegeben.

Die Indigo-Färbung erfolgt unter Luft(Sauerstoff)- Ausschluss, wobei sowohl die Küppe, als auch der in dieser liegende Stoff gelb sind. Die bei Kontakt mit der Luft (Sauerstoff) stattfindende Reaktion führt zur endgültigen Färbung. Der Stoff verfärbt sich von gelblich zu blau.



Weiterführend siehe auch Beizen von Naturfasern und Färbung mit Zwiebelschalen


Autor: Hraven