Bau eines Rundschildes

Die Schildform ist, wie bereits im Abschnitt "Der Schild im Living History" beschrieben, stark variabel. Hierdurch ist auch beim Bau eines modernen Sportschilds der Darstellungszeitraum der Ausgangspunkt für die Wahl der Schildform.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung soll hier zunächst für den Rundschild gegeben werden. Für diesen braucht es, außer einem Gang in den Baumarkt, nicht viel.

Holzteile:
Sperrholzplatte (je nach gewünschter Größe und Dicke)
Schildangel

Die Sperrholzplatte sollte nach eigenen Wunsch gewählt werden. Für den Anfang sind 60 – 80cm Umfang und 8 – 10mm Stärke anzuraten. Aber auch kleinere Durchmesser von 30cm für einen Buckler oder 100cm sind möglich. Auch die Stärke ist jederzeit individualisierbar. Jedoch sollte man aus Gründen der Stabilität nicht unter 6mm Dicke gehen.
Die Schildangel wird benötigt um den Schild zu greifen und sollte der Handgröße angepasst werden.

Weitere im Baumarkt zu besorgende Kleinteile:
Farbe
wasserfesten Holzleim
Pinsel und Spachtel
Holzbohrer
Sägeblätter
kleine Nägel (oder fester Faden)

Die kleinen Nägel werden zu Befestigung der Rohhaut benötigt (für alle, die schnell sein wollen). Hier bieten sich Stifte mit einer Länge von ca. 10mm an. Sollte der Schild dünner als 8mm sein, bleibt nur nähen oder vernieten.

Sonstige Materialien:
Leinen (oder Baumwollstoff) für die Bespannung
Rohhaut
fester Faden (oder Nägel)
Schildbuckel
Schmiedenägel

Für die Bespannung empfiehlt sich Leinenstoff. Aber auch Baumwollstoff ist geeignet. Hierbei sollte stets drauf geachtet werden, dass der Stoff dicht gewebt und reißfest ist.
Rohhaut, Schmiedenägel und Schildbuckel bekommt man mittlerweile über verschiedene Online-Shops, aber auch auf Mittelalterveranstaltungen.

Werkzeuge:
Zirkel oder Faden und Bleistift
Stichsäge
Bohrmaschine oder Akkuschrauber
Handtacker

Für das kleine Loch des Schildbuckels bietet sich der Zirkel aus Schulzeiten an. Wer diesen nicht mehr hat, kann aber die gleiche Methode, wie für den großen Kreis des gesamten Schildes nutzen. Stift, Nagel und Faden.

Wenn alles da ist, kann es losgehen:

Auf der Sperrholzplatte wird über ein Kreuz der Mittelpunkt bestimmt. Von hieraus dann den gewünschten Durchmesser über die Länge des Fadens abstecken und anzeichnen. Auf die gleiche Weise (oder mit Hilfe des Schulzirkels) den Innenkreis bestimmen.
Der Außenkreis lässt sich leicht aussägen.

Der Innenkreis muss zunächst angebohrt werden. Das Bohrloch sollte hierfür nahe dem angezeichneten Rand liegen und groß genug für das Sägeblatt sein. Wenn das Bohrloch da ist, den Innenkreis aussägen.

Den Stoff auf Größe des Schildes zuschneiden. Hierbei sollte auf eine leichte Überlappung am Rand geachtet werden. Sobald der Stoff zugeschnitten ist den Rohling mit Holzleim bestreichen. Durch den Spachtel kann man die Dicke des Holzleims gering halten und gleichmäßig verteilen. Den Stoff auf den Rohling legen und glattstreichen, so dass keine Luftlöcher zwischen Sperrholzplatte und Stoff bleiben.
Das Ganze etwas trocknen lassen.

Jetzt wird der Stoff innen und außen eingeschnitten und auf die andere Seite umgelegt. Sobald dies passiert ist, kann die zweite Schicht Stoff von dieser Seite aufgeklebt werden. Auch diese sollte etwas trocknen, bevor wieder die überstehenden Enden eingeschlagen und auf die erste Seite geklebt werden.

Als letztes kommt auf die erste, bereits bespannte, Seite wieder Holzleim und eine zweite Lage Stoff. Wenn alle Lagen aufgebracht sind, sollte der Schild zunächst durchtrocknen.

Wer möchte kann auch nur eine Lage Stoff pro Seite oder eben zwei Lagen pro Seite verwenden. Hierdurch ändert sich das Gewicht des Schildes, aber auch die Stabilität und Haltbarkeit.

Sobald die Stoffschichten fertig sind, kann die Rohhaut angebracht werden. Hierzu wird die Rohhaut in Wasser eingelegt. Empfehlenswert ist ca. ein halber Tag.
Die eingeweichte, labbrige Rohhaut wird nun von beiden Seiten angenagelt oder angetackert. Während sie Stück für Stück um den Schildrand gelegt wird, muss eine gewisse Spannung aufrecht erhalten werden, damit sich die Rohhaut beim Trocknen um den Rand legt. Durch das direkte Nageln oder das Tackern wird die Rohhaut während des Trocknens am Schild gehalten und nimmt die Form von allein an.

Erneut warten und die Rohhaut trocknen lassen.
Sollte die Rohhaut direkt genagelt worden sein, kann direkt nach dem Trocknen der Rohhaut mit dem nächsten Schritt beginnen.
Wer die Rohhautbespannung nähen möchte, muss zunächst wieder zum Bohrer (Akkuschrauber) greifen. Je kleiner der Bohrer, desto besser. Wenn die Löcher gesetzt sind wird der Rohhautrand mittels des Sattlerstiches festgenäht.


Schildbuckel und Schildangel werden zusammen angebracht. Hierfür zunächst die bereits bestehenden Löcher des Schildbuckels anzeichnen und diese im Schild vorbohren. Zum Bohren möglichst einen kleineren Bohrer nutzen, als die Nägel am Ende breit sind (ca. 2mm kleiner).
Dann den Schildbuckel über 2 Löcher/Nägel fixieren. Anschließend die Schildangel ebenfalls über 2 Nägel anbringen.
Umgekehrt ist es natürlich auch möglich. Erst die Schildangel ankleben (trocknen lassen) und dann dann den Schildbuckel befestigen. Hierbei muss genau gearbeitet werden, da die Nägel möglichst mittig im Holz sitzen sollten.

Die Nägel können, je nach handwerklichen Geschick und Geduld, entweder gekrampt oder genietet werden. Genietet sieht ein Schild besser aus und ist (aufgrund weniger überstehenden Materials) auch leichter.
Je nach Größe des Schildes bzw. der Schildangel sollte diese auch an den Enden im Schild befestigt werden. Dies erhöht auch die Stabilität des Schildes.

Anschließend kann der Schild bemalt werden.

Hierzu bieten sich, neben historischen Mischungen, die Bemalung mit Abtönfarbe oder eine Mischung aus dieser (bzw. Buntlack, matt) und Holzleim an. Bei der Bemalung mit reiner Abtönfarbe sollte darauf geachtet werden, dass diese wasserfest ist. Für die Mischung mit Holzleim spricht die zusätzliche Fixierung (und Härtung) der oberen Stoffschicht, als auch die Wasserbeständigkeit. Durch die wasserfeste Zusatzschicht, kann der Schildkern (Holz) kaum bis kein Wasser ziehen und es erhöht sich die Lebensdauer.



Author: Hraven